Branchenbarometer 2026: Vom Stimmungsbild zur politischen Agenda
Wie geht es den Unternehmen unserer Branche – und wo muss Politik dringend handeln? Mit dem Branchenbarometer 2026 haben der VDMNO und der Verband Druck und Medien Mitteldeutschland erstmals systematisch die Entscheiderebene der Druck- und Medienwirtschaft befragt. Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines investitionsbereiten Mittelstands, der sich gegen die Krise stemmt, zugleich aber dringend bessere Rahmenbedingungen benötigt. Für den VDMNO sind sie ein klarer Auftrag zur politischen Interessenvertretung. Am 17. September 2026 stellten Philipp von Trotha (Geschäftsführer des VDMNO) und Martin Koschei (Vorsitzender des VDMNO; Sattler Group GmbH) die Ergebnisse der niedersächsischen Presse vor.
60 Rückmeldungen aus der Leitungsebene von Unternehmen der Druck- und Medienwirtschaft sind in das Branchenbarometer 2026 eingeflossen. Die Befragung liefert damit keine repräsentative Hochrechnung für die gesamte Branche, aber ein fundiertes Stimmungsbild unmittelbar aus der unternehmerischen Praxis.
Die Ergebnisse zeigen eine Branche unter Druck: 40 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation, nur 17 Prozent erwarten eine Verbesserung. Gleichzeitig planen fast drei Viertel der Unternehmen Investitionen – unter anderem in Maschinen, Digitalisierung, Software, Personal und Ausbildung.
„Unsere Branche stemmt sich gegen die Krise. Wir können und wollen nicht mit unserer Produktion ins Ausland gehen – unsere Unternehmen sind vor Ort verwurzelt“, betonte VDMNO-Geschäftsführer Philipp von Trotha bei der Vorstellung der Ergebnisse am 17. September in Hannover.
Bürokratie belastet stärker als die schwache Konjunktur
Als größte Belastung nennen 58 Prozent der Befragten Bürokratie und Berichtspflichten. Damit liegt dieses Thema noch vor der schwachen Konjunktur, die von 50 Prozent zu den drei größten Herausforderungen gezählt wird.

Besonders häufig genannt werden das Arbeits- und Datenschutzrecht, Steuer- und Buchhaltungspflichten sowie die Anforderungen aus der EU-Verpackungsverordnung PPWR, der EU-Entwaldungsverordnung EUDR und dem Lieferkettengesetz.
Wie stark der klassische Mittelstand betroffen ist, zeigt der Blick auf die Betriebsgrößen: Während 38 Prozent der Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten Bürokratie zu ihren größten Belastungen zählen, steigt der Anteil bei Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten auf 62 Prozent. Unter den Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten sind es sogar 75 Prozent.
Diese Betriebe sind häufig groß genug, um unter umfangreiche Regelungen zu fallen – verfügen aber nicht über eigene Stabs- oder Compliance-Abteilungen. Zusätzliche Pflichten landen deshalb unmittelbar auf den Schreibtischen der Geschäftsführungen.
„Wir sind die vergessene Mitte des Bürokratiewahnsinns“, brachte Philipp von Trotha die Situation bei der Pressekonferenz auf den Punkt. Der VDMNO-Vorsitzende Martin Koschei ergänzte: „Die Politik hat sich in einem Netz an Sonderregelungen verheddert. Die Wirtschaft ist vollkommen überregelt.“
Faire Bedingungen beim Strompreis
Auch beim Energiepreis fordert der VDMNO fairere Wettbewerbsbedingungen. Druck- und Medienunternehmen gehören derzeit nicht zu den begünstigten Sektoren der Strompreiskompensation.
82 Prozent der Befragten wissen oder vermuten, dass die Branche von der Förderung ausgeschlossen ist. Mehr als die Hälfte wünscht sich ein starkes politisches Engagement für ihre Aufnahme in die Sektorenliste. Dabei steigt die gewünschte Priorität deutlich mit dem tatsächlichen Energiekostenanteil eines Unternehmens.
Der VDMNO fordert keine pauschale Sonderbehandlung der gesamten Branche. Entscheidend sind faire Regeln für jene Betriebe, bei denen Energie einen erheblichen Anteil der Produktionskosten ausmacht. Die zugrunde liegende Wirtschaftszweigklassifikation muss die heutige Realität der Unternehmen abbilden.
Fachkräfte und Nachfolge als strukturelle Herausforderung
Das Branchenbarometer macht außerdem deutlich, wie schwierig die Suche nach branchentypischen Fachkräften geworden ist. 48 Prozent der Befragten berichten von Engpässen bei Medientechnologinnen und Medientechnologen Druck, 46 Prozent bei Buchbinderinnen und Buchbindern beziehungsweise in der Weiterverarbeitung.
Hinzu kommt die Unternehmensnachfolge: In 35 Prozent der Betriebe ist sie mit Blick auf die kommenden fünf Jahre noch ungeklärt. In der für den Mittelstand besonders typischen Größenklasse mit 10 bis 49 Beschäftigten betrifft dies fast jedes zweite Unternehmen.
Damit wird die Sicherung der dualen Ausbildung zu einer zentralen Zukunftsfrage. Der VDMNO setzt sich deshalb für leistungsfähige Berufsschulstandorte, attraktive Ausbildungsbedingungen und eine stärkere Wahrnehmung der beruflichen Perspektiven in der Druck- und Medienwirtschaft ein.
Ein klarer Auftrag an den VDMNO
65 Prozent der Befragten nennen die politische Interessenvertretung gegenüber Landesregierungen und Bundestag als wichtigste Erwartung an ihren Verband. Für uns ist das ein eindeutiger Auftrag.
Das Branchenbarometer schafft dafür eine neue Grundlage: Es übersetzt die Erfahrungen der Unternehmen in belastbare Zahlen, bündelt unterschiedliche Perspektiven zu gemeinsamen Positionen und macht die Anliegen der Branche gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit sichtbar.
Einen ersten Schritt bildete die Vorstellung der Ergebnisse bei einer Pressekonferenz in Hannover. Die anschließende Berichterstattung und Resonanz in den sozialen Netzwerken zeigen, dass die Botschaften der Branche wahrgenommen werden. Doch Veröffentlichung und öffentliche Aufmerksamkeit sind nicht das Ende, sondern der Ausgangspunkt unserer Arbeit.
Aus den Ergebnissen leitet der VDMNO drei vorrangige politische Forderungen ab:
- faire Wettbewerbsbedingungen für energieintensive Druckbetriebe,
- einen konkreten Abbau belastender Bürokratie und Berichtspflichten,
- die Sicherung der dualen Ausbildung und ihrer Berufsschulstandorte.
Diese Positionen wird der VDMNO in die Gespräche mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern auf Landes- und Bundesebene einbringen. Bei europäischen und bundespolitischen Regelungen nehmen wir zugleich die Länder in die Verantwortung – etwa beim Vollzug, über den Bundesrat und im Austausch mit den jeweiligen Landesgruppen im Bundestag.
Das Branchenbarometer macht aus den Erfahrungen einzelner Unternehmen eine gemeinsame Stimme. Wir danken allen, die sich an der Befragung beteiligt haben. Ihre Rückmeldungen helfen uns, unsere Interessenvertretung gezielt an den Themen auszurichten, die den Betrieben tatsächlich unter den Nägeln brennen.
Den ausführlichen Ergebnisbericht zum Branchenbarometer 2026 finden Sie unter vdmno.de/branchenstimme.
