Ergebnisse der Branchenbefragung 2019: Unternehmen sind optimistisch

Die vielfältigen Ergebnisse der zweiten Befragung der Verbände Druck und Medien zur wirtschaftlichen Lage der Branche geben von Neuem einen aussagekräftigen Einblick in die Stimmung in den Chefetagen der Druck- und Medienunternehmen. Die wichtigsten Erkenntnisse sind hier zusammengefasst.

Die Befragung zur wirtschaftlichen Lage wird vom Bundesverband Druck und Medien (bvdm) und seinen Landesverbänden jährlich unter Inhabern, Geschäftsführern und kaufmännischen Leitern von Druck- und Medienunternehmen durchgeführt. Mit den Ergebnissen erhalten sowohl die Druck- und Medienunternehmen als auch branchenfremde Kreise einen differenzierten Einblick in die aktuelle Stimmungslage der Druck- und Medienwirtschaft. Dabei stellt der bvdm den Teilnehmern mit Unternehmensangaben den ausführlichen Bericht zur Verfügung, während anonym gebliebene Teilnehmer über die wichtigsten Ergebnisse durch diese Zusammenfassung oder durch Presseberichte, beispielsweise im Verbände-Magazin NUTZEN (Ausgabe 01/2019), informiert werden.

  • Das Wichtigste zur Teilnehmerstruktur

Dem Aufruf zur zweiten Branchenbefragung folgten im Zeitraum vom 17. bis zum 31. Januar 2019 insgesamt 511 Personen. Nach der Plausibilitätsprüfung sowie dem Ausschluss von unvollständigen Rückmeldungen blieben Antworten von 419 Teilnehmern in der Auswertungsstichprobe. Gegenüber der ersten Befragung aus dem Jahr 2018 nahmen die Teilnehmerzahlen zwar leicht ab (vor einem Jahr folgten dem Aufruf 522, ausgewertet wurden 444 Teilnehmer). Die aktuelle Fallzahl fiel dennoch erneut hoch aus und steht somit wiederholt für aussagestarke Ergebnisse.

85 % der Teilnehmer der ausgewerteten Stichprobe gehören Unternehmen an, die Mitglied in einem Landesverband Druck und Medien sind.

Die befragten Unternehmen vertreten in der Summe etwa 24 % der Beschäftigten der Druck- und Medienwirtschaft und erzielten 2018 einen kumulierten Umsatz von rund 4,8 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Anteil von ca. 23 % des Branchenumsatzes.

Die Ergebnisse der zweiten Befragung ermöglichen eine erste Beurteilung des branchenweiten Marktvolumens des sogenannten Onlinedrucks: Abhängig vom Berechnungsansatz – a) der Anteil der absoluten Summe des online generierten Umsatzes am gesamten Stichprobenumsatz oder b) der durchschnittliche Prozentwert der von den Teilnehmern angegebenen online generierten Umsätze – liegt der mit eigenen Webportalen erwirtschaftete Umsatz bei 2,0 oder 3,6 Mrd. Euro. Diese Werte erhöhen sich auf 2,3 oder 5,6 Mrd. Euro, wenn zu dem Umsatz mit eigenen Webportalen der Wiederverkauf externer Druckereileistungen aus Webportalen hinzugerechnet wird.

Bei der allgemeinen Betrachtung der Produktschwerpunkte (Umsatzanteil von über 40 %) zeigen sich die zwei Hauptabnehmerbranchen der Druck- und Medienunternehmen: Die meisten Teilnehmer (54 %) spezialisieren sich auf die Herstellung von Verlagsprodukten, wobei der Anteil der Unternehmen aus dem Segment Zeitschriften dieses Jahr höher ausgefallen ist als bei der Befragung 2018 (21 % vs. 13 %). Die Werbewirtschaft ist der zweitwichtigste Abnehmer von Druckprodukten. Sie kommt auf einen aggregierten Anteil von 33 %.

Die Verteilung der Druckverfahren bestätigt die dominierende Rolle des Bogenoffsetdrucks. Die Bedeutung erstreckt sich sowohl auf die Anzahl der Nennungen (85 %) als auch auf den mit diesem Verfahren generierten Umsatz (60 % des gesamten Umsatzes). Ferner ist klar zu erkennen, dass sich Bogen-Digitaldruckmaschinen im Maschinenpark der teilnehmenden Unternehmen mit 75 % der Nennungen ein gegenüber den Ergebnissen der Branchenbefragung 2018 größeres Gewicht erlangt haben. Gleichwohl wird mit diesem Verfahren weiterhin vergleichsweise wenig Umsatz erwirtschaftet (14 %).

Die Stichprobenverteilung nach Beschäftigten- sowie Umsatzgrößenklassen weist nur marginale Änderungen gegenüber den Ergebnissen der ersten Branchenbefragung aus dem Jahr 2018 auf. Zu erkennen ist wiederholt ein deutliches Untergewicht der kleineren Unternehmen und dagegen höhere Anteile größerer Unternehmen. Die unveränderte Stichprobenstruktur ermöglicht somit Ergebnisvergleiche der beiden Branchenbefragungen.

  • Das Wichtigste zur wirtschaftlichen Lage

Der Umsatz der teilnehmenden Unternehmen lag 2018 leicht unter dem Niveau des Vorjahres: Der Anteil der Befragten mit Umsatzeinbußen (42 %) überwog den Anteil derer mit Umsatzzuwächsen (39 %). Die Entwicklung fiel dabei umso negativer aus, je größer die Unternehmen waren. Abgegrenzt nach Segmenten verzeichneten gleichwohl Verpackungen, Etiketten und Großformatdrucke überdurchschnittliche Zuwächse, während sich beispielsweise Werbebeilagen und Prospekte sowie Dienstleistungen der Druck- und Medienvorstufe überdurchschnittlich stark negativ entwickelten.

Gleichzeitig konnte die Branche keinen Gewinnzuwachs verbuchen: Während die Gewinne bei 35 % der befragten Unternehmen über denen des Vorjahres lagen, sanken sie bei 45 % der Teilnehmer. Auch hierbei fielen die Beurteilungen von größeren Unternehmen sichtbar negativer aus als bei kleineren. Auf der Ebene der Produktschwerpunkte melden nur Teilnehmer aus den Segmenten Großformatdrucke und Geschäftsdrucksachen steigende Gewinne. Hingegen war die Ertragslage in allen anderen Produkt- und Dienstleistungssegmenten offenbar negativ, besonders stark jedoch im Segment Zeitungen und Anzeigenblätter.

Das Jahr 2018 war gekennzeichnet von starken Kostensteigerungen. Neun von zehn Unternehmen (93 %) mussten dabei Teuerungen beim Druckpapier verkraften. Acht von zehn Unternehmen (78 %) waren mit steigenden Transportkosten konfrontiert. Die Unternehmen erwarten zudem weitere Einkaufspreiserhöhungen im laufenden Jahr, sodass es nicht verwundert, dass steigende Lieferantenpreise als eines der größten Geschäftsrisiken gesehen werden.

Gezwungenermaßen wollen die Unternehmen auf die erwarteten Kostensteigerungen mit eigenen Verkaufspreissteigerungen reagieren. 2019 beabsichtigt fast jedes zweite Unternehmen (47 % der Befragten), die Verkaufspreise für ihre wichtigsten Produkte oder Dienstleistungen zu erhöhen. Während 41 % der Unternehmen die Verkaufspreise auf dem Vorjahresniveau halten wollen, müssen 12 % ihre Preise hingegen senken. Dies ist ein Anzeichen für den anhaltenden Wettbewerbsdruck in der Branche und dafür, dass längst nicht alle Unternehmen die starken Kostensteigerungen an ihre Kunden weitergeben können. Der intensive Wettbewerbsdruck spiegelt sich außerdem in den Erwartungen der Unternehmen in Bezug auf die Entwicklung ihrer Mitarbeiterzahl wider. Denn per Saldo (- 9 %) planen sie, im laufenden Jahr Personal abzubauen.

Dennoch sind die Umfrageteilnehmer für 2019 optimistisch eingestellt. Die Mehrheit von ihnen erkennt weiterhin Geschäftschancen in ergänzenden Dienstleistungen rund um das Druckprodukt (75 % der Nennungen). Durch die beabsichtigten Verkaufspreissteigerungen erhoffen sie sich zudem Umsatz- und Gewinnzuwächse (Saldenwerte 16 % bzw. 10 %). Zugleich plant die überwiegende Mehrheit der Unternehmen (81 % bis 97 %) mit zunehmenden Investitionen, insbesondere in die Bereiche Software und Prozesse.

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